Freunde der Altstadt von Aleppo e.V.

Der Verein wurde am 22. Juni 1990 im Linden-Museum, Stuttgart gegründet. Mitglieder sind Syrer (besonders Aleppiner) und Deutsche. Aus seinen Mitteln werden Direktmaßnahmen zur Erhaltung von Wohnhäusern in der Altstadt von Aleppo unterstützt. Seminare und ein in Aleppo abgehaltenes Kolloquium haben das Verständnis für die Probleme der Altstadt und ihrer Bewohner gefördert. Seine Mitgliederversammlungen werden in der Regel durch einen wissenschaftlichen Vortrag über Aleppo eingeleitet.

Aleppo ist mit ca. 2 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Syriens und eine der ältesten kontinuierlich besiedelten Städte der Welt. Ca. 5000 Jahre Geschichte, wichtige und einzigartige historische Bauwerke, seine Große Moschee und sein über 7 km langer überdachter Basar machen die Stadt zu einem von der UNESCO gewürdigten Welt-Kulturdenkmal.

Die historischen Wohnviertel der Altstadt von Aleppo gehören zu den größten erhaltenen, traditionellen Wohnvierteln der islamischen Welt. In ihnen leben ca. 350.000 Menschen in Innenhofhäusern. Wie die meisten alten Städte - nicht nur des Orients - ist auch Aleppo über die letzten Dekaden großen Veränderungen unterworfen worden. Neue Planungen wurden mit zum Teil verhängnisvollen Konsequenzen in die Realität umgesetzt, und Teile der Wohngebiete der Altstadt sind von Entvölkerung und Zerfall bedroht.

Die erste flächendeckende Untersuchung der Altstadt wurde 1993 abgeschlossen. Sie zeigte, dass sich viele Häuser, die von Familien mit niedrigem Einkommen bewohnt waren, in einem desolaten Zustand befanden. Schnelle Hilfe war von Nöten, um sowohl die Häuser wie ihre Bewohner zu schützen. Deshalb wurde im Rahmen der Bemühungen um den Erhalt der Altstadt von Aleppo ein "Emergency Fund" eingerichtet, über den schnell punktuell eingegriffen und geholfen werden kann. Bewohner von gefährdeten Häusern wenden sich an den "Fund", dessen Architekten die Häuser untersuchen und nötige Maßnahmen in Absprache mit den Bewohnern festlegen. Einer Prioritätenliste folgend, vergibt der "Fund" sodann zinslose Darlehen, über die die nötigen Maßnahmen realisiert werden. Die Arbeiten stehen unter Aufsicht der Architekten des "Fund" und werden zu großen Teilen von den Bewohnern der Häuser unter fachmännischer Hilfe durchgeführt.

Bis Frühjahr 2007 wurden ca. 500 Häuser renoviert bzw. restauriert. Die pünktliche Rückflussrate der Darlehen beträgt ca. 90%. Finanziert wird der "Fund" durch die Stadt Aleppo, die GTZ und aus Mitgliedsbeiträgen sowie Spenden des Vereins Freunde der Altstadt von Aleppo e.V. Er ist ein erfolgreiches Beispiel für syrisch-deutsche Zusammenarbeit, durch seinen direkten Kontakt mit der betroffenen Bevölkerung, zwischen "Unten" und "Oben", und damit auch ein Mittel, Bürgerbeteiligung zu fördern und der Bevölkerung mehr Mitsprache zu verschaffen. Ziel der Bemühungen ist, die Verbesserung der Lebensbedingungen der Bewohner wie auch das kulturelle Leben zu fördern, in Form der Unterstützung des Stadtarchivs in der Altstadt.